Arbeit an der Uni

Arbeiten in der Wissenschaft

Sandra Eibenberger (c) Arnold Poeschl Photography

(c) Arnold Poeschl Photography

Frage die Wissenschaftlerin!

Dr. Sandra Eibenberger ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Gruppe Quantennanophysik an der Universität Wien und forscht an Quanteninterferenz mit Molekülen. Hier kannst du ihr Fragen stellen:

1. Was findest Du an der Quanteninterferenz mit Molekülen spannend?

Ich finde die experimentelle Quantenphysik und Physik im Allgemeinen einfach sehr interessant.
Die Experimente in Wien sind weltweit herausragend, und die Tatsache, dass sich so riesige, komplexe Moleküle in einem Superpositionszustand befinden können, ist sehr faszinierend.
Außerdem gefällt mir die technische Komponente, dass ich etwas an meinem experimentellen Aufbau ändern oder ausprobieren kann.

2. Welche Erfahrungen hast Du mit der Physik gemacht?

In der Physik ist vieles einfacher, als man am Anfang glaubt. Und das Gegenteil – es ist vieles sehr kompliziert.
Man kann mit Hirnschmalz und Sitzfleisch und Geduld und Spucke viele komplexe Sachen realisieren. Spannende „Geheimnisse“ der Natur können gelüftet werden. Man ist selbst verantwortlich und die eigene Kreativität und der Wille eine Lösung zu finden – auch mit dem entsprechenden Einsatz – kann zu guten Resultaten führen.

3. Hat Dir Physik in der Schule Spaß gemacht?

Mir hat der Physikunterricht in der Schule nicht immer Spaß gemacht. Aber die Fragestellungen habe ich interessant gefunden. Ich hätte aber gerne mehr Experimente gemacht.

4. Wann hast Du Dich entschieden Physik zu studieren?

Einen Monat bevor ich mich an der Universität registriert habe, habe ich mich für das Physik-Studium entschieden.
Ich habe mich für das Studium entschieden, um mich selbst zu bilden und nicht, um nachher einem engen Berufs-Schema zu entsprechen.

5. Was hast Du Dir vom Physik-Studium erwartet?

Ich hatte keine präzisen, konkreten Vorstellungen, wie das Physik-Studium sein würde. Was ich mir erwartet habe, war eher etwas Abstraktes, eher eine Grundhaltung zu Fragestellungen, eine rationale offene Denkweise, die nicht zu stark von Präkonzepten geprägt ist. Mein Weltbild hat sich durch das Physik-Studium geschärft.

6. Wie findest Du das Arbeitsumfeld an der Universität?

Ich komme sehr gut mit dem Arbeitsumfeld an der Universität zurecht. Es ist eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre. Im Universitätsbetrieb hat nicht alles starre Formen, und ich kann gut mit flexiblen Bedingungen leben.
Ich würde mir aber mehr Möglichkeiten und bessere Zukunftsperspektiven für Jungforscher wünschen.
In meiner Arbeitsgruppe fühle ich mich sehr wohl, sowohl fachlich als auch menschlich. Uns steht auch eine sehr gute Ausstattung zur Verfügung, was die Alltagsarbeit zu einer großen Freude macht.

7. Wie lange arbeitest Du schon am KTDLI und was ist Deine Rolle beim Experiment?

Zum ersten Mal war ich im Rahmen eines Universitätspraktikums im Labor. Mein jetziger Chef hat das Praktikum damals persönlich betreut und mich angesprochen, ob ich nicht dort eine Diplomarbeit machen wolle. Nun bin ich bald 6 Jahre am Experiment und allem was dazu gehört beteiligt.

8. Wie sieht Dein typischer Tagesablauf aus?

Es ist schwierig zu sagen wie mein typischer Tagesablauf aussieht, da mein Aufgabenbereich von Routineaufgaben im Labor bis hin zum Kopfzerbrechen im Labor reicht aber auch das Auswerten von Daten, das Überlegen von Experimenten, das Bestellen und Warten von Equipment, die Teilnahme an Besprechungen, das Durchführen von Berechnungen, das Schreiben wissenschaftlicher Artikel, das Anfertigen von Postern und Vorbereiten von Vorträgen für Tagungen und das Reisen zu Konferenzen umfasst – es ist zum Glück eine sehr vielfältige Arbeit.
Genau diese Vielfalt zu bewältigen, ist meine tägliche Herausforderung.

9. Ist Deine Arbeit eine kreative Tätigkeit?

Im Kern ist es eine sehr kreative Tätigkeit. Allerdings beinhaltet die experimentelle Umsetzung der Ideen oft auch langwierige Präzisionsarbeit. Wenn ich zum Beispiel das Interferometer justiere, einen Motor in zehn Mikrometer-Schritten verfahre und kontrolliere, was dabei passiert, dann ist das keine kreative Tätigkeit. Aber das gehört dazu. Allerdings muss man aufpassen, diese Art von Arbeit nicht schleifen zu lassen, weil man auch hier sehr konzentriert sein muss.
Es ist eine kreative Tätigkeit, wenn man darüber nachdenkt, was man alles machen könnte und wie man das erreichen kann, oder wenn man neue experimentelle Aufbauten macht.

10. Was ist für Dich ein Erfolgserlebnis in Deiner Arbeit?

Wenn ein Experiment funktioniert. Sowohl wenn neue Aufbauten gut-reproduzierbare Ergebnisse bringen als auch wenn nach Rückschlägen im Labor alles wieder gleichzeitig funktioniert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass sich jemand so sehr über C60-Interferenz freuen kann wie ich.
Aber auch wenn ich einen Vortrag halte, und das Publikum interessiert ist und darüber diskutieren möchte, ist das für mich ein Erfolgserlebnis. Oder wenn ein von uns verfasster wissenschaftlicher Artikel über unser Experiment von einem Verlag angenommen und publiziert wird.

11. Arbeitest Du auch mit WissenschaftlerInnen aus dem Ausland zusammen?

Wir haben Kooperationen mit Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern, zum Beispiel mit Chemikern in der Schweiz und mit Theoretikern in Deutschland. Je nachdem, um welche Netzwerke es geht, gibt es Kooperationen mit vielen verschiedenen Ländern auf vielen verschiedenen Kontinenten.

Man trifft sich persönlich, sieht sich auf einer Konferenz, telefoniert über Skype und beredet, was man gemessen hat, etc.. Und die Kontakte führen auch über das eigene, spezifische Wissenschaftsthema hinaus. In Wien gibt es zahlreiche formale und auch informelle Gelegenheiten zum fachlichen Austausch. Und dadurch, dass ich letztes Jahr für einen Forschungsaufenthalt in den USA war, konnte ich auch dort abseits des Forschungskreises der Molekülinterferometrie Kontakte mit Wissenschaftlern knüpfen.